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Die Antithese zum schönen Leben (Duisburg vs. FCSP 0-0)

Habt ihr auch Bilder gesehen? Schickeria in Barcelona? Die Sonne knallt vom Himmel, die Gruppe sitzt gechillt am glasklaren Meer, Bier und die Gewissheit auf den Einzug ins Champions League-Finale sind vorhanden, man sieht hochklassigen Fußball und darf die Mannschaft bis nach Katalonien begleiten.

Und dann gibt es diese andere Art von Fußball. Dieses morgens um 2Uhr aufstehen, um nach Duisburg zu fahren. Sonne, Strand, iberische Halbinsel? Nein, Ruhrgebiet. 2Uhr aufstehen, um 4 in Fulda, um halb sechs in Frankfurt, 9 Uhr Koblenz. Wobei man ja auch sagen muss, dass die Strecke Frankfurt –Koblenz am Rhein entlang sehr schön ist.

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Und genug zu tun hatte ich auch, ein super cooler Bahnbediensteter hat mich bei der Beladung des ICEs einmal komplett in die Zeitungen vom Vortag greifen lassen. Muss witzig ausgesehen haben, um 7Uhr morgens schon am Bier trinken, aber nebenher ZEIT, FAZ und Süddeutsche lesen.

Wohl gebildet also weiter nach Duisburg. Absolutes Highlight, die Hymne des SC Paderborns hallte schon durch den Bahnhof. Egal, wo du hinfährst, überall kennt mensch diese Sternstunde der Musik. Also von den HamburgerInnen einsammeln lassen und auf zum Stadion. Nach größerer Umleitung durch die Polizei betraten wir die „Schauinslandreisen-Arena“ (Das Teil heißt wirklich so!) und freuten uns über die nachlässigen Kontrollen, während die Gegenseite mal genau in Augenschein genommen wurde. Während mir beim Hinspiel eher unsympathische Gestalten aufgefallen waren (ich weise hier mal auf den Jahresbericht 2012 der Duisburger Antifa hin), scheint es neben diesen auch progressivere Kreise zu geben. Optisch sah die Kurve ganz okay aus, zu hören waren sie allerdings nicht, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass wir nach meinem Empfinden diesmal sehr laut waren. Klar, subjektive Meinung, du kannst auch alles schlecht reden.

Besonders gefreut hat mich, wieder ein altes Gesicht auf dem Zaun gesehen zu haben, willkommen zurück!

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Zum Spiel und der sportlichen Gesamtsituation:

Durchwachsen, nicht schön anzusehen. Chancen auf beiden Seiten, aber die größeren bei uns und grade in der Endphase waren wir überlegen. Und hier habe ich deutliche Kritik an Frontzeck zu üben: Warum wird in dieser Druckphase nicht Ebbers eingewechselt? Warum bringen wir keinen zweiten Stürmer? Stattdessen kommt Ebbers 3 Minuten vor Schluss für Ginczek, das bringt uns doch nicht vorwärts. Dieses Risiko hätten wir eingehen müssen.

Nun ja, ein Punkt. Wie ihr den jetzt auffassen wollt, überlass ich euch, ich bin jedenfalls aufgrund des tendenziell möglichen Sieges unzufrieden, aber glaube gleichzeitig auch, dass wir nun eine ganz gute Ausgangssituation haben. 3 Punkte vor Aue und Dresden, sprich einer der beiden muss Sonntag verlieren (Aue kriegt zur Zeit eh nichts auf die Reihe, Dresden gilt nicht als auswärtsstark) und wir holen einen Punkt gegen Braunschweig (das muss doch möglich sein! Seid laut!) und wir wären durch. Der große Vorteil für uns liegt hier sicherlich in der Tatsache, dass uns zwei Clubs einholen müssten und sie dafür nur zwei Spieltage Zeit haben.  Außerdem haben wir alles in der eigenen Hand, wir könnten gegen Braunschweig auch einfach mal gewinnen. Am Millerntor mit dem lautstarken Support aller Tribünen ist das möglich, davon bin ich überzeugt.

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Noch ein paar Worte zum Abschluss:

Die Rückfahrt gestalte sich zwar problemlos, aber da war dieser Umstieg in Paderborn. Bela B. erkor diese Stadt einst zur „Hölle“ und auch ich wollte da nun wirklich nicht hin. Und während du so am Bahnhof sitzt und ein tolles Foto für das Autorenkollektiv des Kiezkieker machst (also wenn dieses Meisterwerk der Fotographie nicht in der nächsten Ausgabe erscheint, werde ich echt böse 😉 ), um an den Erfolg des letzten Bildes anzuknüpfen, fragst du dich so, warum dein Verein eigentlich in Duisburg, Aalen, Sandhausen und Paderborn spielt und nicht in London, Turin und eben in Barcelona. Ich will auch Auswärtstouren in Weltmetropolen und an Strände! Her mit dem schönen Leben, in zwei Jahren will ich international spielen! DFB-Pokal und so.. Und wehe, wen nicht! (Dann geht eben die Reise durch Süd- und Westdeutschlands Dörfer weiter..)

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Mein Verein ist die Antifa! Zum Spiel in Aalen (Aalen – FCSP 0:1)

In die Reihe aller seltsamen Plätze an die mensch mit dem FCSP kommt, reiht sich nach Sandhausen ab heute auch Aalen ein. Mein Reisegruppe erreichte das Städtchen irgendwo im nirgendwo zwischen Ulm und Würzburg zeitlich genau passend mit dem Auto und man freute sich über den Parkplatz auf dem Gelände der Hochschule und trotz dieser günstigen Parkplatzsituation waren viele Hamburger Gesichter schon deutlich früher am Stadion.

Mein Highlight heute, geschah bereits hier am Einlass, die offensichtlich fachkundigen Ordner entrollten unsere neue Fahne (Bild unten) und waren davon überzeugt, dass es sich bei dem Gemalten um das Vereinslogo des FCSP handele. Naja.. Besser für mich, könnte mir gut vorstellen, dass in diesem ländlichen Kaff die Extremismustheorie von Frau Schröder schon längst eingezogen ist. Dabei ist grade in Aalen eine strikte Positionierung gegen Nazis dringend notwendig, wie das Lichterkarussell es hier darlegt. Ich kann diese Eindrücke nur bestätigen. Später mehr dazu.

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Das Stadion wirkte zusammengewürfelt, der Gästeblock war zwar in Relation zur restlichen Spielstätte groß, aber ohne Dach, was natürlich nicht so wahnsinnig gut für die Akustik ist. Vielleicht ein Grund dafür, dass es nicht wirklich laut war, was der Gästeanhang heute ablieferte.

Uns gegenüber stand dann ein kleiner Haufen, der sich Crew Eleven nennt und dort mit einer „Reichsstadt Aalen“-Zaunfahne posierte. Sicher ist „Reichsstadt“ ein Begriff aus dem Mittelalter, aber besonders gute Geschichtskenntnisse kann man der Gruppe sicher nicht attestieren, der Artikel oben spricht ja für sich. Daher hat unser Block auch klar gemacht, was er von solchen Gedankengängen hält, was gekontert wurde mit… naa? Natürlich „Scheiß Sankt Pauli!“. Man kennt es selbst im letzten schwäbischen Dorf,  unsere (politischen) Gegner sind so wahnsinnig kreativ, das ist einfach unglaublich. Mal ganz ehrlich jetzt, dieser Schlachtruf ist älter als ich, glaubt ihr wirklich, dass es noch irgendeine/n gibt, der/die darüber nicht nur noch lachen muss?

Sonst hat mensch auch eher weniger von den Supportbemühungen der „Reichsstädter“ mitbekommen.

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Zum Spiel.. Ja, ich fass mich kurz. Es war nicht gut. Einsatz bei manchen teilweise ziemlich mies (Wenn die Autoren vom Magischen FC-Blog bei Kilometer 30 sind, laufen die trotzdem noch schneller!). Erste Hälfte besser, die zweite Halbzeit ziemlich grottig, Tschauner sehr stark, Ginczek auch mit guten Möglichkeiten, Elfmeter rausgeholt (der wie ich dann später mitbekam keiner gewesen soll, egal, wir nehmen alles mit) und verwandelt. Kurz vor Schluss. Was für Emotionen! Danach noch zwei Minuten zittern und dann war es vorbei. So ein schönes Gefühl, mal wieder auswärts zu gewinnen!

Nach dem Spiel ging es dann wieder zurück auf das Gelände der Hochschule und wir diskutierten darüber, ob ich meine langersehnte Rückkehr nach Hamburg nicht durch absagen und in Aalen studieren sollte. Jedes zweite Wochenende im Block stehen mit Crew Eleven.. und die Bustouren mit denen machen..

Nein, mein Verein ist antifaschistisch, voran Sankt Pauli!

Irgendwas mit Frust (Sandhausen – FCSP 4:1)

Sonntagmorgen kurz vor 2 früh, normale Menschen feiern noch oder schlafen bereits, ich stehe auf, ich muss nach Sandhausen.

Beziehungsweise vorher nach Heidelberg, das liegt ja unweit von Sandhausen und sollte sehr sehenswert sein. Gegen kurz vor 8Uhr war ich dann da (Ja, manchmal hat das Leben im Exil seine Vorteile, wenn das dies auch gleichzeitig bedeutet, dass das Spiel gegen Köln für mich schlicht unmöglich sein ist(Wenn ich jetzt nicht müde des Protestes wäre, würd ich noch was von wegen Scheiß Sport1 schreiben, aber nach Jahren hat man sich dran gewöhnt.. leider)), die Fahrt war etwas nervig, Weichenstörungen, viele Cops auf dem Weg zur Arbeit, ne Menge betrunkene Karnevalisten, aber ereignislos.

Ja, was soll mensch zu Heidelberg sagen? Wirklich sehr schön, ich hätte gern  ein Vielfaches der Zeit gehabt, um mir alles anzusehen, so reichte es nur für das Schloss und einige Kleinigkeiten. Das Schloss ist allerdings sehr empfehlenswert, wer von euch mal in der sein sollte, unbedingt ansehen!

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Darauf ging es dann mit dem Auto weiter nach Sandhausen. Eine Kleinstadt, nichts Besonderes, eben wie es sie Hundertfach im hiesigen Nationalstaat gibt.

Am Stadion angekommen, ging es nach einem Abstecher im Vereinsheim durch ein Waldstück zum Gästeblock. Die Busfahrer_innen berichteten, sie seien auf einem Acker angekommen. Schön, dass man in Sandhausen zumindest an die Hools gedacht hat. An potenziellen Gegnern hätte es aber gemangelt, Sandhausen kriegt ja notorisch nichts auf die Reihe. Dazu später mehr.

Einlasskontrolle war kein Problem, ging alles locker mit rein, die Stadionordnung sah ja einige Beschränkungen vor, linksradikales Propagandamaterial etc. Extremismustheorie, yeah!

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Das Stadion, ein um zusammengewürfelte Tribünen erweiterter Dorfplatz hatte schon seinen Charme, viele Stehplätze, sehr cool. Leider war der Gästeblock nicht sehr breit und bestand nur aus einigen wenigen Reihen, da gestaltete sich organisierter Support als sehr schwer bis komplett unmöglich.

Ja, zum Spiel.. ich fass mich kurz. Ich bin Leiden gewöhnt und nehme meiner Mannschaft auch eine deutlichere Niederlage nicht übel, aber da ging ja gar nichts! Kein Kampf, kein Einsatz, nichts! Wir stehen weiter hinter euch, aber es MUSS jetzt besser werden, wenn wir nicht in akute Abstiegsgefahr geraten wollen. Und in Anbetracht der finanziellen Lage möchte ich nicht unbedingt absteigen.

Auf der Tribüne links vom Gästeblock stand dann auch ein Haufen von 20-30 Leuten, die versuchten ihr Team zu supporten. Ich kann verstehen, wenn man in Sandhausen jetzt nicht das Fanpotenzial wie in Großstädten hat, aber die paar, das waren schon echt krass wenig. Auch die Umstehenden Konsumenten zogen selbst nach höherer Führung nicht mit, das kannst du wohl vergessen da.

Eine Abreise war auch nicht möglich, da man für die Gäste zunächst ganze zwei Busse stellen konnte, das ist etwas zu wenig. Also Fußmarsch quer durch ein Wohngebiet zum Bahnhof, wo dann natürlich auch alles hoffnungslos überfüllt war. Diese Abreisemängel haben mir dann noch einen verpassten Anschlusszug und damit einen 1,5h Nachtspaziergang durch Fulda eingebracht. Immer in Bewegung bleiben. Oder so. Wie sehen uns in zwei Wochen.

„FCSP interessiert mich dann doch eher als die Kohlenstoffatome in der Zellwand“ oder FCI – FCSP 0:0

Das ist der erste Auswärtsbericht auf dem neuen Blog und ich werde das sicherlich nicht regelmäßig wiederholen, sondern eher dann, wenn die Tour etwas Besonderes hergab, nur um das mal vorwegzunehmen.

 

Touren in den tiefen Süden waren ja schon immer ein Traum. So ging es pünktlich um 5Uhr los, diesmal sogar mit einem ganz modernen ICE, der dann doch recht schnell in Bayern sein sollte. Es ist nun wahrlich nicht so, dass ich zu Geld gekommen wäre, aber die Kombination aus früher Bestellung und Kostenbeteiligung macht dann so was doch mal möglich, war ja auch diese Saison die erste ICE-Fahrt, wenn man mal von Testspiel in Babelsberg absieht.

Da ich, wenn ich alleine anreise, ja immer gern das gute, alte „Schon früh in deiner Stadt“-Motto pflege, was aus einem Übersetzungsfehler des tschechischen Satzes „jiz brzy i ve vasem meste“ entstammt, war ich trotz kalkulierter Verspätung kurz vor 9Uhr morgens in Ingolstadt und schaute mich mal um.

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Da es außer einigen schönen, perspektivischen Deckengemälden aber nicht viel zu sehen gab (Was muss das eigentlich im ersten Auswärtsbericht hier für ein Bild erzeugen? ICE-Fahrer, kunsthistorisch interessiert… ich werde meine Selbstdarstellung im laufenden Bericht korrigieren müssen), wandte ich mich darauf doch lieber dem Alkohol zu (Ha, so einfach geht das!) und probierte mich durch die fachkundige Beratungen lokaler Fans durch die bayrischen Weihnachtsmarktgetränke.

Der kleine Sohn einer meiner Berater sorgte dann auch für das Tageshighlight, als mich nach Aufklebern fragte und auf die Frage, ob er auch schon Antifaschist sei und auch politische Kleber haben wollte, sehr überzeugt und mit einem kindlichen Strahlen mit „Jaaa!“ antwortete.

 

Darauf gings dann zum Stadion am Stadtrand, was alleine ja schon Beschreibung genug ist. 08/15-Arena ohne Bezug zur Stadt, aber doch wie diese: langweilig, seriös, farblos.

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Die bekannten Gesichter aus Hamburg kamen kurz darauf und so konnte man sich noch bequem über das Alkoholverbot ärgern, bevor es losging.

Das Spiel bestätigte eigentlich, was sich mehr oder weniger durch die halbe Saison zieht: Kein Glück (Abseitstor, was kein Abseits war), die nötige Konsequenz im Angriff, aber ich sollte mich eigentlich nicht beschweren, schließlich habe ich ja vor dem Spiel mit einer deutlichen Niederlage gerechnet.

Die Stimmung empfand ich als eigentlich als okay, wenn man betrachtet, dass wir diesmal recht weit abseits des Stimmungskerns standen, auch wenn wenig Leute da waren. Zwischen 6000 und 7000 Personen, auch unser Block war nicht komplett gefüllt. Ob das am Wetter, an Ingolstadt oder was weiß ich lag, sei mal dahingestellt.  Auf der anderen Seite versuchte ein kleiner Haufen „Supporters“ Stimmung zu machen, großen Respekt an der Stelle mal für den Job, das muss mit dem restlichen Stadion nicht einfach sein.

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Noch schnell ein paar Worte zum sicheren Stadionerlebnis: Der 12:12-Boykott hat wieder gut funktioniert, auch wenn nach den Reaktionen von Schalke und Düsseldorf wirklich nochmals reflektiert werden muss, ob diese Art des Protestes wirklich die beste Variante ist. Evtl. muss der Widerstand auch radikaler werden, politischer sowieso.

Nach dem Spiel und Wartezeit von über einer Stunde in der Bahnhofsvorhalle mit der ICE-Reisegruppe vom Fanladen, fuhr ich nach Ulm , um dort auf der Couch einer befreundeten Studenten-WG die Nacht zu verbringen, nicht ohne sich vorher Ulms Kneipen mal genauer anzusehen. In dem Haus, wo sich heute die WG befindet, hat angeblich mal Uli Hoeneß gewohnt oder war nur ein Argument für eine Mietsteigerung, was weiß ich.

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Am nächsten Morgen blieb noch Zeit für eine kurze Stadtbesichtigung, ich empfehle das Münster, die höchste Kirche der Welt und das niedliche Fischerviertel.

Es war definitiv eine sehr schöne Tour, auch wenn der sportliche Part nicht gelungen ist. Und es bleibt definitiv festzuhalten, dass ich mich am Wochenende doch eher für den FCSP, als für Kohlenstoffatome in der Zellwand interessiere (ihr armen Biostudenten) 😉

Vielen Dank an alle, die diese Fahrt möglich gemacht haben!

A.