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Leitartikel zu den Geschehnissen vom Montag ( FCSP – Paderborn 2:2)

Im ewigen Wettstreit um die schlechteste Überschrift in den journalistischen Erzeugnissen des FCSP-Kosmos werde ich mit dieser auch nicht weiterkommen, aber nun ja. Eigentlich war die Idee da, diesen Blogpost  „ Frühlings Erwachen“ zu nennen, nach dem gleichnamigen Buch von Wedekind, aber da dieser Gag in nahezu jedem zweiten Werbeerzeugnis vorkommt, hab ich darauf verzichtet.

Da mir meine Überleitungsidee mit Wedekind aber so gut gefiel, muss ich da trotzdem ansetzen.

Ist es nicht schön? Die Sonne kommt raus, der Frühling scheint ganz langsam zu beginnen und die ersten Blumen sprießen noch sehr verteilt zwischen den Schneeresten. Zu dem Frühlingserwachen fällt mir (ganz spontan und zufällig) Wedekinds „Frühlings Erwachen“ ein, wo es weniger um Jahreszeiten, sondern eher um die bürgerliche Sexualmoral geht. Und unter diesem Stern stand auch das Heimspiel gegen den SC Paaaaaaahaaaahaaaaaaadaaaaaaaboorn, an dem der Aktionstag des Alerta Networks gegen Homophobie stattfand (So geil find ich die Überleitung jetzt doch nicht. Egal).

Homophobie ist ein Problem, insbesondere im Fußball, sowohl auf dem Platz, als auch in den Fanszenen, wo das Bild des idealen Fußballspielers und des idealen Fans, der für Stadt und Verein einsteht, von männlichen und homophoben Stereotypen geprägt ist. Viele Fans assoziieren bis heute mit Homosexualität scheinbar „unmännliche“ Dinge wie Schwäche oder unzureichenden Kampfgeist.

Dass diese Annahmen natürlich totaler Schwachsinn und anachronistische Märchen sind, brauch ich ja wohl nicht extra weiter auszuführen.

Und genau das ist übrigens auch das, was Wedekind uns Ende des 19. Jahrhunderts sagen wollte, auch wenn er nicht explizit auf das Thema Homosexualität eingeht, jedoch lässt es sich hervorragend darauf beziehen. Die normative, bürgerliche Sexualvorstellung tabuisiert andere Formen der Sexualität und baut dadurch Druck auf die Leute auf, die diese praktizieren. Wedekind zeigt, dass Menschen an dieser Tabuisierung kaputt gehen können.

Und grade daher ist es wichtig, dass wir das Thema Homosexualität aus dieser Tabuisierung herausholen, Homophobie offensiv entgegentreten und da ist so ein Aktionstag genau richtig.

Auch wenn wir beim FCSP vergleichsweise sehr geringe Probleme mit Diskriminierung haben, war allein schon die Choreo trotzdem ein tolles Zeichen, grade auch an all die Kurven, in denen homosexuelle Beleidigungen an der Tagesordnung stehen. Schaut euch um, ihr werdet kaum einen Spieltag entdecken, an dem es nicht irgendwo ein homophobes Spruchband, homophobe Gesänge oder ähnliches gab bzw. gibt.

Bestes Beispiel: Unsere Freunde aus der Vorstadt, die mit folgendem Aufkleber die Freundschaft von USP und der Schickeria aus München als „schwul“ diskreditieren wollen. Der Aufkleber ziert auch das Titelbild der aktuellen Basch, ich hab ihn allerdings auch am Bahnhof Harburg vor die Linse gekriegt und danach politisch korrekt entsorgt. Kein Platz für solche Kackscheiße in unser Stadt.

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Aber von Anfang an. Ein kleiner Haufen Fanatiker_innen und Freaks von allen Tribünen traf sich bereits um kurz nach 16Uhr am Millerntor, um die Choreo vorzubereiten. Ist eine richtig doofe Arbeit, aber man sieht dann doch, dass es sich gelohnt hat, auch wenn ich mich darüber ärgern könnte, dass es Leute gibt, die sich dem permanent verweigern. Leute, wir waren 4 Stunden vor dem Spiel da und haben diese nervige Arbeit des Verteilens auf uns genommen, und dazu kommen noch die ganzen Arbeitsstunden der Alerta-Gruppe und natürlich auch die Kosten so einer Aktion und ihr seid euch schade, ein halbe Minute so eine Pappe hochzuhalten oder ein bis zwei Luftballons aufzupusten? Denkt mal drüber nach.

Gesamtbild stimmte dann trotzdem einigermaßen, denk ich.

Dann war ja noch was.. Die Wunderkerzen. Lieber DFB, ich möchte dir gerne mal raten, dich mit dem philosophischen Sicherheitsbegriff auseinanderzusetzen. Tu es einfach mal und dann denk mal drüber nach, ob du dann immer noch Kinderfeuerwerk verbieten willst. Es wird langsam albern. Sehr albern.

Meine Nebensteherin und Teil des Autorenkollektivs im Bereich Musik hat übrigens durch einen Funken einer Wunderkerze eine leichte Verbrennung von ungefähr einem halben Millimeter Durchmesser erlitten. Beweisbilder sind gemacht, schicken wir auf Anfrage gerne zu.

Neben der Choreo gab es zahlreiche Spruchbänder zum Thema Homosexualität und Sicherheitswahn des DFB, aber mir war eine Sache noch besonders wichtig und da das Spruchband irgendwie etwas untergegangen ist, möchte ich gerne noch ein bis zwei Sätze dazu schreiben.

„Solidarität mit Lothar König!“ stand auf der Tapete und soll unsere Unterstützung des Pfarrers und Antifaschisten Lothar König aus Jena zeigen.

Lothar König sieht sich mit haltlosen Vorwürfen der sächsischen Justiz konfrontiert, er habe bei den Gegendemonstrationen zum Naziaufmarsch in Dresden 2011 zur Gewalt gegen Polizisten aufgerufen. Infos erhaltet ihr hier.

Lieber Lothar, wir stehen hinter dir und wünschen dir viel Kraft für den Prozess und hoffen, dass unser Spruchband zumindest ein paar Leute auf die Ungerechtigkeit aufmerksam gemacht hat, mit der du zu kämpfen hast! Antifaschismus ist legitim!

Zurück zum fußballerischen Tagesgeschäft. Der Gegner hieß Paderborn, der Innbegriff von Provinz und allein bekannt durch billiges Dosenbier. Irgendwie haben wir uns ja nie leicht getan und auch am Montag war das kein Kinderspiel. Im Gegensatz zu Wunderkerzen, haha.

Unser Team spielte gut nach vorne und war für mich bis zur Führung klar die bessere Mannschaft, dann viel das Tor und es fehlte wieder jegliches Konzept. Wie kann es denn sein, dass uns eigene Tore aus dem Spiel werfen? Logische Folge war natürlich der Ausgleich und die Führung der Gäste. Toll. Doch als ich schon glaubte, das Spiel sei verloren, schlägt Daube die Ecke in der 90. Minute auf Tschauner und der köpft den ganz cool rein, als würde er nicht im Tor, sondern im Mittelsturm spielen. Das Millerntor ist förmlich explodiert. 2:2! Was für ein Tor und dann noch durch den eigenen Keeper! Geil. Wenn Deniz nicht zurückkommt (er klang ja so, als wolle er), schlage ich Tschauners Aufstellung als Sturmspitze vor. Bene rückt hinten nach. Das wird schon funktionieren.

Da irgendwie an diesem Spieltag so viel los war, verweise ich gerne auf alle anderen Blogs und Seiten, die sich damit beschäftigen. Alles abzudecken schaffe ich niemals alleine und die anderen können es ohnehin deutlich besser 🙂

Ein gelungener Aktionstag gegen Homophobie, ein buntes Stadion, auch mit vielen Spruchbändern auf allen Tribünen, ein denkwürdiges Tor in der 90. Minute und der Kontakt mit und zu so viel lieben Menschen im FCSP-Umfeld lassen mich doch recht zufrieden auf diesen Spieltag zurückblicken.

Wir sind Sankt Pauli!

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