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Endlich! Klassenkampf gewonnen! (FCSP – Braunschweig 5:1)

Einleitung

Eine Menge ist passiert. Und da man wissenschaftlich ja am Besten exemplarisch arbeitet, hab ich genau das nicht gemacht und versucht, alles möglichst kurz und oberflächlich anzusprechen. Viel Spaß!

Wandernde Kleinpatriarchate, Rassismus, Hannover und andere Unannehmlichkeiten

Kurzfristig entschied mensch sich doch noch für den Zug, was sich schnell als Fehler herausstellte, da am sogenannten „Vatertag“ reichlich Kleingruppen mit Bier und Bollerwagen unterwegs, von denen bestimmt alle ausschließlich mindestens zweifacher Vater waren. Ich sollte ja nicht den Moralapostel spielen, schließlich war auch ich das ein oder andere Mal mit einem kleinen alkoholfreien Radler im Zug unterwegs, aber wer sich in solch prolliger Art und Weise und mit so einem sexistischen Duktus mit mir den Zug teilt, der hat bei mir jeden Respekt verloren.

Wirklich ekelhaft wurde es dann aber, als ich hören musste, was mir eine junge Migrantin erzählte. Sie freue sich, dass ich Sie bis Hannover begleiten könne, da sie Angst habe, alleine als offensichtliche Migrantin öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, da sie des Öfteren angepöbelt und beleidigt wurde. Sicherlich trifft das nicht auf alle Personen mit Migrationshintergrund zu, aber mir persönlich hat allein dieses Einzelschicksal gereicht, um sich mal zu fragen, in was für einem Land wir leben, in dem sich Leute fürchten müssen, öffentlich Verkehrsmittel zu benutzen, nur weil sie nicht der Norm der Mehrheit entsprechen.

Musik und der unsägliche Hafengeburtstag

(wer kein Interesse an Musik hat, diesen Absatz besser überspringen)

Am Donnerstagabend gab es tatsächlich noch ein kleines Highlight. Im „Freundlich und kompetent“ in Winterhude spielten zwei Liedermacher unter dem Namen „Reis against the Spülmachine“ ganze drei Stunden, in dieser Zeit wurden die beiden Musiker mit reichlich Alkohol von der Theke versorgt, was die beiden und das Konzert unwahrscheinlich lustig machte. Wer da mitgehen konnte, hat sicherlich einen lustigen Abend erlebt. Jedenfalls geht es mir darum zu sagen, dass das Genre des Liedermaching, eventuell mit Ausnahme der Monsters, zu Unrecht so wenig beachtet wird. Es war wirklich eines der spaßigsten Konzerte der letzten Zeit und es muss ja auch nicht immer Punk sein. Oder etwa doch?

Hafengeburtstag. Bei vielen zu Unrecht diskreditiert, klar ist der Großteil eine uninteressante, touristenüberlaufene Veranstaltung, auf der man mehr Werbung ausgesetzt ist, als an einem Abend Pro7, aber es gibt ja schließlich auch eine alternative Ecke in der Hafenstraße und Konzerte für umsonst. Am Freitag standen hier zum Beispiel Radio Havanna und Rasta Knast auf dem Programm.

Radio Havanna ist zu Unrecht so wenig bekannt, sie gehören für mich zu den Besten deutschsprachigen Punkbands, nur leider war das Konzert am Freitag nicht wirklich so gut. Ich mein, der ganze dämliche Hafen ist von Touristen überlaufen, aber vor der Bühne ist fast alles leer? Was soll das denn? Darüber hinaus brach während des Konzertes eine Person zusammen, was der Stimmung natürlich nicht weiterhalf. Auch wenn die Jungs auf der Bühne alles gegeben haben, bei diesen Rahmenbedingungen kannst du nichts machen.

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Rasta Knast hingegen auf der Jolly Roger-Bühne (Danke übrigens an die Hoschis, die das möglich gemacht haben!) war ziemlich gut (vielleicht lag das auch am gestiegenen Alkoholpegel). Der Schwedenpunk war kraftvoll wie immer und macht einfach Spaß. Schönes Konzert!

Samstag. Wieder zwei Konzerte. I-Fire und die Ohrbooten.

I-Fire spielte ganz souveränen Reggae, Show war ebenfalls gut, aber alles in allem nicht so ganz mein Ding. Ohrbooten hingegen waren die Überraschung des Tages. Wirklich intelligente und kreative Texte eine ansprechende Mischung aus Reggae und Hip-Hop und eine tolle Liveshow. Besonders die Songs des diesen Monat erscheinenden Albums haben mich überzeugt, da sollte mensch dranbleiben.

Fußball war ja auch noch.

Und nicht nur irgendein Spiel, es ging gegen Braunschweig und den Abstieg. Über Braunschweig gibt es ja immer reichlich zu lesen, von rechter Hegemonie über die Probleme der antirassistischen Ultras und einen Verein, den das offensichtlich herzlich wenig interessiert.

Fußballerisch war das Spiel eine Erlösung. 5:1 gewonnen, die Relegation verhindert und ein gelungener Abschied von Ebbers und Bruns. Ob für das klare Ergebnis jetzt wirkliche unsere Jungs oder die Braunschweiger zuständig waren, ist ja auch egal, Klassenerhalt und fertig. Saison sportlich abhaken und nach vorne schauen. Haha.

Die Stimmung auf der Südkurve habe ich trotz des Ergebnisses schon mal als besser wahrgenommen, auch die Gegengrade war für meine Begriffe schon mal lauter, fehlte das Bier?

Dafür wurde es dann tatsächlich bei der Verabschiedung von Marius und Florian sehr laut. Ein emotionaler Moment, den ich persönlich gern noch ein paar Jahre hinausgeschoben hätte.

Darauf stand der nächste Abschied an, der Fanladen schließt seine Pforten und wird dann in den neuen Räumen in der Gegengrade wiedereröffnet (alles Relevante dazu findet ihr im aktuellen Übersteiger, da gibt es ein schönes Interview mit dem Vorstand des Vereins Fanräume (Scheiße, mach ich heute viel Werbung)).

Wie das dann dort alles aussehen wird, kann ich mir noch nicht so ganz vorstellen, nach einer geheimen und exklusiven Raumbegehung nach dem Spiel bin ich aber guter Dinge. Es ist wirklich viel Platz da, die Räume wirken zwar noch etwas steril, aber das bekommen wir schon irgendwie hin. Außerdem bin ich der Hoffnung, dass wir so einen größeren Teil der Fanszene zu mehreren Fanladenbesuchen bewegen können, insbesondere die, die von weiter außerhalb kommen.

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Auf der Rückfahrt kam ich dann in den Genuss 5 verschiedener Fanzines, die unsere Fanszene herausbrachte. Übersteiger, Basch, Kiezkieker, Zwischen den Zeilen und Zeckenbiss.

Insbesondere möchte ich noch eine nachträgliche Kaufempfehlung  für das ZdZ-Zine aussprechen, wenn ihr das noch irgendwie erwerben könnt. Sehr viel Inhalt und vor allem qualitativ absolut hochwertig. Allein der Reisebericht nach Argentinien wäre mir den Preis von zwei Oiro wert gewesen.

Viele liebe Grüsze an die Redaktion des Kiezkiekers! Wenn ich euer Geschreibsel so auffassen darf, dass ich auch einmal etwas zum Inhalt des Fanzines beitragen soll, dann werde ich das versuchen 😉

Da ja ohnehin alles Mögliche und (vor allem) Unmögliche in dieser Postille erscheint, sollte das doch irgendwie machbar sein.

Ob wir uns in Lautern sehen, kann ich euch nicht versprechen, mein Gesundheitszustand wird nicht wirklich besser, sollte ich bis dahin nicht wirklich zu Kräften gekommen sein, wünsche ich euch allen eine schöne Fahrt und ein schönes letztes Spiel der Saison.

So, jetzt habt ihr 1000 Wörter überflüssige Informationen gelesen, ihr hätte in der Zeit so viele sinnvolle Dinge tun können. Nun ja. Selbst Schuld 😉

Es bedankt sich für eure Aufmerksamkeit

Buca

 

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Die Antithese zum schönen Leben (Duisburg vs. FCSP 0-0)

Habt ihr auch Bilder gesehen? Schickeria in Barcelona? Die Sonne knallt vom Himmel, die Gruppe sitzt gechillt am glasklaren Meer, Bier und die Gewissheit auf den Einzug ins Champions League-Finale sind vorhanden, man sieht hochklassigen Fußball und darf die Mannschaft bis nach Katalonien begleiten.

Und dann gibt es diese andere Art von Fußball. Dieses morgens um 2Uhr aufstehen, um nach Duisburg zu fahren. Sonne, Strand, iberische Halbinsel? Nein, Ruhrgebiet. 2Uhr aufstehen, um 4 in Fulda, um halb sechs in Frankfurt, 9 Uhr Koblenz. Wobei man ja auch sagen muss, dass die Strecke Frankfurt –Koblenz am Rhein entlang sehr schön ist.

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Und genug zu tun hatte ich auch, ein super cooler Bahnbediensteter hat mich bei der Beladung des ICEs einmal komplett in die Zeitungen vom Vortag greifen lassen. Muss witzig ausgesehen haben, um 7Uhr morgens schon am Bier trinken, aber nebenher ZEIT, FAZ und Süddeutsche lesen.

Wohl gebildet also weiter nach Duisburg. Absolutes Highlight, die Hymne des SC Paderborns hallte schon durch den Bahnhof. Egal, wo du hinfährst, überall kennt mensch diese Sternstunde der Musik. Also von den HamburgerInnen einsammeln lassen und auf zum Stadion. Nach größerer Umleitung durch die Polizei betraten wir die „Schauinslandreisen-Arena“ (Das Teil heißt wirklich so!) und freuten uns über die nachlässigen Kontrollen, während die Gegenseite mal genau in Augenschein genommen wurde. Während mir beim Hinspiel eher unsympathische Gestalten aufgefallen waren (ich weise hier mal auf den Jahresbericht 2012 der Duisburger Antifa hin), scheint es neben diesen auch progressivere Kreise zu geben. Optisch sah die Kurve ganz okay aus, zu hören waren sie allerdings nicht, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass wir nach meinem Empfinden diesmal sehr laut waren. Klar, subjektive Meinung, du kannst auch alles schlecht reden.

Besonders gefreut hat mich, wieder ein altes Gesicht auf dem Zaun gesehen zu haben, willkommen zurück!

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Zum Spiel und der sportlichen Gesamtsituation:

Durchwachsen, nicht schön anzusehen. Chancen auf beiden Seiten, aber die größeren bei uns und grade in der Endphase waren wir überlegen. Und hier habe ich deutliche Kritik an Frontzeck zu üben: Warum wird in dieser Druckphase nicht Ebbers eingewechselt? Warum bringen wir keinen zweiten Stürmer? Stattdessen kommt Ebbers 3 Minuten vor Schluss für Ginczek, das bringt uns doch nicht vorwärts. Dieses Risiko hätten wir eingehen müssen.

Nun ja, ein Punkt. Wie ihr den jetzt auffassen wollt, überlass ich euch, ich bin jedenfalls aufgrund des tendenziell möglichen Sieges unzufrieden, aber glaube gleichzeitig auch, dass wir nun eine ganz gute Ausgangssituation haben. 3 Punkte vor Aue und Dresden, sprich einer der beiden muss Sonntag verlieren (Aue kriegt zur Zeit eh nichts auf die Reihe, Dresden gilt nicht als auswärtsstark) und wir holen einen Punkt gegen Braunschweig (das muss doch möglich sein! Seid laut!) und wir wären durch. Der große Vorteil für uns liegt hier sicherlich in der Tatsache, dass uns zwei Clubs einholen müssten und sie dafür nur zwei Spieltage Zeit haben.  Außerdem haben wir alles in der eigenen Hand, wir könnten gegen Braunschweig auch einfach mal gewinnen. Am Millerntor mit dem lautstarken Support aller Tribünen ist das möglich, davon bin ich überzeugt.

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Noch ein paar Worte zum Abschluss:

Die Rückfahrt gestalte sich zwar problemlos, aber da war dieser Umstieg in Paderborn. Bela B. erkor diese Stadt einst zur „Hölle“ und auch ich wollte da nun wirklich nicht hin. Und während du so am Bahnhof sitzt und ein tolles Foto für das Autorenkollektiv des Kiezkieker machst (also wenn dieses Meisterwerk der Fotographie nicht in der nächsten Ausgabe erscheint, werde ich echt böse 😉 ), um an den Erfolg des letzten Bildes anzuknüpfen, fragst du dich so, warum dein Verein eigentlich in Duisburg, Aalen, Sandhausen und Paderborn spielt und nicht in London, Turin und eben in Barcelona. Ich will auch Auswärtstouren in Weltmetropolen und an Strände! Her mit dem schönen Leben, in zwei Jahren will ich international spielen! DFB-Pokal und so.. Und wehe, wen nicht! (Dann geht eben die Reise durch Süd- und Westdeutschlands Dörfer weiter..)

Leitartikel zu den Geschehnissen vom Montag ( FCSP – Paderborn 2:2)

Im ewigen Wettstreit um die schlechteste Überschrift in den journalistischen Erzeugnissen des FCSP-Kosmos werde ich mit dieser auch nicht weiterkommen, aber nun ja. Eigentlich war die Idee da, diesen Blogpost  „ Frühlings Erwachen“ zu nennen, nach dem gleichnamigen Buch von Wedekind, aber da dieser Gag in nahezu jedem zweiten Werbeerzeugnis vorkommt, hab ich darauf verzichtet.

Da mir meine Überleitungsidee mit Wedekind aber so gut gefiel, muss ich da trotzdem ansetzen.

Ist es nicht schön? Die Sonne kommt raus, der Frühling scheint ganz langsam zu beginnen und die ersten Blumen sprießen noch sehr verteilt zwischen den Schneeresten. Zu dem Frühlingserwachen fällt mir (ganz spontan und zufällig) Wedekinds „Frühlings Erwachen“ ein, wo es weniger um Jahreszeiten, sondern eher um die bürgerliche Sexualmoral geht. Und unter diesem Stern stand auch das Heimspiel gegen den SC Paaaaaaahaaaahaaaaaaadaaaaaaaboorn, an dem der Aktionstag des Alerta Networks gegen Homophobie stattfand (So geil find ich die Überleitung jetzt doch nicht. Egal).

Homophobie ist ein Problem, insbesondere im Fußball, sowohl auf dem Platz, als auch in den Fanszenen, wo das Bild des idealen Fußballspielers und des idealen Fans, der für Stadt und Verein einsteht, von männlichen und homophoben Stereotypen geprägt ist. Viele Fans assoziieren bis heute mit Homosexualität scheinbar „unmännliche“ Dinge wie Schwäche oder unzureichenden Kampfgeist.

Dass diese Annahmen natürlich totaler Schwachsinn und anachronistische Märchen sind, brauch ich ja wohl nicht extra weiter auszuführen.

Und genau das ist übrigens auch das, was Wedekind uns Ende des 19. Jahrhunderts sagen wollte, auch wenn er nicht explizit auf das Thema Homosexualität eingeht, jedoch lässt es sich hervorragend darauf beziehen. Die normative, bürgerliche Sexualvorstellung tabuisiert andere Formen der Sexualität und baut dadurch Druck auf die Leute auf, die diese praktizieren. Wedekind zeigt, dass Menschen an dieser Tabuisierung kaputt gehen können.

Und grade daher ist es wichtig, dass wir das Thema Homosexualität aus dieser Tabuisierung herausholen, Homophobie offensiv entgegentreten und da ist so ein Aktionstag genau richtig.

Auch wenn wir beim FCSP vergleichsweise sehr geringe Probleme mit Diskriminierung haben, war allein schon die Choreo trotzdem ein tolles Zeichen, grade auch an all die Kurven, in denen homosexuelle Beleidigungen an der Tagesordnung stehen. Schaut euch um, ihr werdet kaum einen Spieltag entdecken, an dem es nicht irgendwo ein homophobes Spruchband, homophobe Gesänge oder ähnliches gab bzw. gibt.

Bestes Beispiel: Unsere Freunde aus der Vorstadt, die mit folgendem Aufkleber die Freundschaft von USP und der Schickeria aus München als „schwul“ diskreditieren wollen. Der Aufkleber ziert auch das Titelbild der aktuellen Basch, ich hab ihn allerdings auch am Bahnhof Harburg vor die Linse gekriegt und danach politisch korrekt entsorgt. Kein Platz für solche Kackscheiße in unser Stadt.

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Aber von Anfang an. Ein kleiner Haufen Fanatiker_innen und Freaks von allen Tribünen traf sich bereits um kurz nach 16Uhr am Millerntor, um die Choreo vorzubereiten. Ist eine richtig doofe Arbeit, aber man sieht dann doch, dass es sich gelohnt hat, auch wenn ich mich darüber ärgern könnte, dass es Leute gibt, die sich dem permanent verweigern. Leute, wir waren 4 Stunden vor dem Spiel da und haben diese nervige Arbeit des Verteilens auf uns genommen, und dazu kommen noch die ganzen Arbeitsstunden der Alerta-Gruppe und natürlich auch die Kosten so einer Aktion und ihr seid euch schade, ein halbe Minute so eine Pappe hochzuhalten oder ein bis zwei Luftballons aufzupusten? Denkt mal drüber nach.

Gesamtbild stimmte dann trotzdem einigermaßen, denk ich.

Dann war ja noch was.. Die Wunderkerzen. Lieber DFB, ich möchte dir gerne mal raten, dich mit dem philosophischen Sicherheitsbegriff auseinanderzusetzen. Tu es einfach mal und dann denk mal drüber nach, ob du dann immer noch Kinderfeuerwerk verbieten willst. Es wird langsam albern. Sehr albern.

Meine Nebensteherin und Teil des Autorenkollektivs im Bereich Musik hat übrigens durch einen Funken einer Wunderkerze eine leichte Verbrennung von ungefähr einem halben Millimeter Durchmesser erlitten. Beweisbilder sind gemacht, schicken wir auf Anfrage gerne zu.

Neben der Choreo gab es zahlreiche Spruchbänder zum Thema Homosexualität und Sicherheitswahn des DFB, aber mir war eine Sache noch besonders wichtig und da das Spruchband irgendwie etwas untergegangen ist, möchte ich gerne noch ein bis zwei Sätze dazu schreiben.

„Solidarität mit Lothar König!“ stand auf der Tapete und soll unsere Unterstützung des Pfarrers und Antifaschisten Lothar König aus Jena zeigen.

Lothar König sieht sich mit haltlosen Vorwürfen der sächsischen Justiz konfrontiert, er habe bei den Gegendemonstrationen zum Naziaufmarsch in Dresden 2011 zur Gewalt gegen Polizisten aufgerufen. Infos erhaltet ihr hier.

Lieber Lothar, wir stehen hinter dir und wünschen dir viel Kraft für den Prozess und hoffen, dass unser Spruchband zumindest ein paar Leute auf die Ungerechtigkeit aufmerksam gemacht hat, mit der du zu kämpfen hast! Antifaschismus ist legitim!

Zurück zum fußballerischen Tagesgeschäft. Der Gegner hieß Paderborn, der Innbegriff von Provinz und allein bekannt durch billiges Dosenbier. Irgendwie haben wir uns ja nie leicht getan und auch am Montag war das kein Kinderspiel. Im Gegensatz zu Wunderkerzen, haha.

Unser Team spielte gut nach vorne und war für mich bis zur Führung klar die bessere Mannschaft, dann viel das Tor und es fehlte wieder jegliches Konzept. Wie kann es denn sein, dass uns eigene Tore aus dem Spiel werfen? Logische Folge war natürlich der Ausgleich und die Führung der Gäste. Toll. Doch als ich schon glaubte, das Spiel sei verloren, schlägt Daube die Ecke in der 90. Minute auf Tschauner und der köpft den ganz cool rein, als würde er nicht im Tor, sondern im Mittelsturm spielen. Das Millerntor ist förmlich explodiert. 2:2! Was für ein Tor und dann noch durch den eigenen Keeper! Geil. Wenn Deniz nicht zurückkommt (er klang ja so, als wolle er), schlage ich Tschauners Aufstellung als Sturmspitze vor. Bene rückt hinten nach. Das wird schon funktionieren.

Da irgendwie an diesem Spieltag so viel los war, verweise ich gerne auf alle anderen Blogs und Seiten, die sich damit beschäftigen. Alles abzudecken schaffe ich niemals alleine und die anderen können es ohnehin deutlich besser 🙂

Ein gelungener Aktionstag gegen Homophobie, ein buntes Stadion, auch mit vielen Spruchbändern auf allen Tribünen, ein denkwürdiges Tor in der 90. Minute und der Kontakt mit und zu so viel lieben Menschen im FCSP-Umfeld lassen mich doch recht zufrieden auf diesen Spieltag zurückblicken.

Wir sind Sankt Pauli!

Mein Verein ist die Antifa! Zum Spiel in Aalen (Aalen – FCSP 0:1)

In die Reihe aller seltsamen Plätze an die mensch mit dem FCSP kommt, reiht sich nach Sandhausen ab heute auch Aalen ein. Mein Reisegruppe erreichte das Städtchen irgendwo im nirgendwo zwischen Ulm und Würzburg zeitlich genau passend mit dem Auto und man freute sich über den Parkplatz auf dem Gelände der Hochschule und trotz dieser günstigen Parkplatzsituation waren viele Hamburger Gesichter schon deutlich früher am Stadion.

Mein Highlight heute, geschah bereits hier am Einlass, die offensichtlich fachkundigen Ordner entrollten unsere neue Fahne (Bild unten) und waren davon überzeugt, dass es sich bei dem Gemalten um das Vereinslogo des FCSP handele. Naja.. Besser für mich, könnte mir gut vorstellen, dass in diesem ländlichen Kaff die Extremismustheorie von Frau Schröder schon längst eingezogen ist. Dabei ist grade in Aalen eine strikte Positionierung gegen Nazis dringend notwendig, wie das Lichterkarussell es hier darlegt. Ich kann diese Eindrücke nur bestätigen. Später mehr dazu.

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Das Stadion wirkte zusammengewürfelt, der Gästeblock war zwar in Relation zur restlichen Spielstätte groß, aber ohne Dach, was natürlich nicht so wahnsinnig gut für die Akustik ist. Vielleicht ein Grund dafür, dass es nicht wirklich laut war, was der Gästeanhang heute ablieferte.

Uns gegenüber stand dann ein kleiner Haufen, der sich Crew Eleven nennt und dort mit einer „Reichsstadt Aalen“-Zaunfahne posierte. Sicher ist „Reichsstadt“ ein Begriff aus dem Mittelalter, aber besonders gute Geschichtskenntnisse kann man der Gruppe sicher nicht attestieren, der Artikel oben spricht ja für sich. Daher hat unser Block auch klar gemacht, was er von solchen Gedankengängen hält, was gekontert wurde mit… naa? Natürlich „Scheiß Sankt Pauli!“. Man kennt es selbst im letzten schwäbischen Dorf,  unsere (politischen) Gegner sind so wahnsinnig kreativ, das ist einfach unglaublich. Mal ganz ehrlich jetzt, dieser Schlachtruf ist älter als ich, glaubt ihr wirklich, dass es noch irgendeine/n gibt, der/die darüber nicht nur noch lachen muss?

Sonst hat mensch auch eher weniger von den Supportbemühungen der „Reichsstädter“ mitbekommen.

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Zum Spiel.. Ja, ich fass mich kurz. Es war nicht gut. Einsatz bei manchen teilweise ziemlich mies (Wenn die Autoren vom Magischen FC-Blog bei Kilometer 30 sind, laufen die trotzdem noch schneller!). Erste Hälfte besser, die zweite Halbzeit ziemlich grottig, Tschauner sehr stark, Ginczek auch mit guten Möglichkeiten, Elfmeter rausgeholt (der wie ich dann später mitbekam keiner gewesen soll, egal, wir nehmen alles mit) und verwandelt. Kurz vor Schluss. Was für Emotionen! Danach noch zwei Minuten zittern und dann war es vorbei. So ein schönes Gefühl, mal wieder auswärts zu gewinnen!

Nach dem Spiel ging es dann wieder zurück auf das Gelände der Hochschule und wir diskutierten darüber, ob ich meine langersehnte Rückkehr nach Hamburg nicht durch absagen und in Aalen studieren sollte. Jedes zweite Wochenende im Block stehen mit Crew Eleven.. und die Bustouren mit denen machen..

Nein, mein Verein ist antifaschistisch, voran Sankt Pauli!

Ich liebe dich, ich träum von dir.. (FCSP – FSV Frankfurt 3:0)

Um es vorweg zu nehmen: Es war ein wunderbares Spiel, ein schöner Tag und es und macht mich jetzt, wenn ich dran denke, immer noch glücklich.

Ich weiß gar nicht so sicher, warum grade dieses Spiel jetzt immer noch so begeistert, aber es gibt ja genügend gute Gründe. Zum einen war ein toller Sieg nach einer Reihe von mäßigen bis grottenschlechten Spielen unser Mannschaft, auf der anderen Seite war die Stimmung da, klasse.

 

Aber der Reihe nach. In beeindruckender Zeit von nicht mal 6 Stunden ging es Freitagmorgen mit dem Zug nach Hamburg, die Stimmung in der spontan zusammengefunden Reisegruppe war mäßig, kaum jemand glaubte wirklich, dass ausgerechnet gegen den FSV alles besser werden würde.

Der FSV Frankfurt aus Bornheim ist ja auch eher ein Thema für sich. Eigentlich von der Vereinsstruktur, Mannschaft und Fanszene ein kleiner Fisch, spielen sie doch eine beeindruckende Saison und stehen nicht komplett unberechtigt da oben.

Doch trotz der schlechten Aussichten, spielte unser Team besser, kämpfte und Ginczek schoss drei Tore. Wirklich toll. Mal abgesehen von 2 kürzeren Phasen (nach dem ersten Tor und kurz zu Beginn der zweiten Hälfte) erlebte ich den FCSP als stärkere Elf, fast schon dominierend. Ich mein, hatte der FSV eine wirklich drückende Phase?

Die Stimmung auf der Süd habe ich als ganz gut empfunden, wobei ein objektiver Eindruck natürlich sehr schwer ist. Tolle Choreo. Auch die Nord sah mit den Wunderkerzen(?) gut aus, auf der Gegengrade überzeugte vor allem der Supportblock durch die vielen Fahnen, ich bin mir sicher, da geht was. Optisch und akustisch sowieso. Die Gegengrade kann lauter sein als die Süd, warten wir es mal ab, was passiert, wenn sich da noch Strukturen gefunden haben, dann gibt es wirklich einen starken Anreiz für die Südkurve an der Lautstärke zu arbeiten. Soll noch mal einer sagen, dass Smith unrecht hatte.. Wettbewerb funktioniert 😉 (Anmerkung: Kapitalismus trotzdem abschaffen! :D)

Eine Sache noch zur Gegengrade: Es kommt häufiger vor, dass dort Zaunfahnen (teils) abgehängt werden. Das geht gar nicht und jede_r, der/die in einen Stehplatzbereich geht, sollte sich im Klaren darüber sein, dass Sichtbehinderungen durch Fahnen jeder Art nun mal dazugehören und es absolut unmöglich ist, die Zaunfahnen anderer Gruppen abzuhängen, loszuschneiden oder ähnliches. Und es kann mir auch niemand erzählen, dass die auf der GG so hängen, dass selbst Kinder nichts sehen könnten. Wenn ihr einen Fußball ohne irgendwelche Störfaktoren wollt, guckt das doch im TV oder geht in die Vorstadt.

Von der Gegenseite habe ich persönlich gar nichts mitbekommen, außer 2-3 großen Schwenkfahnen. Einige hundert Leute waren dabei. Ich glaube, mensch hat es aber auch schwer in der Region Leute zu gewinnen, bei so großer Konkurrenz im Rhein-Main-Gebiet.

Ein anderes Flussumschlungenes Gebiet ist übrigens Wilhelmsburg (Was für Überleitungen.. Qualitätsjournalismus und so), wo die Nacht verbracht wurde. Ist übrigens echt ganz nett da, wenn ich mein Exil-Dasein beenden kann, würde ich jetzt auch definitiv über Wilhelmsburg nachdenken, aber in Hamburg ist das ja mit Wohnen mit Mieten so eine Sache..

Schaut euch noch mal die Choreo der Süd an und lest die vielen guten Berichte der anderen FCSP-Blogs, die können das ja viel besser und haben teilweise sogar noch Bilder 😉

Für immer mit dir, magischer FC.

Irgendwas mit Frust (Sandhausen – FCSP 4:1)

Sonntagmorgen kurz vor 2 früh, normale Menschen feiern noch oder schlafen bereits, ich stehe auf, ich muss nach Sandhausen.

Beziehungsweise vorher nach Heidelberg, das liegt ja unweit von Sandhausen und sollte sehr sehenswert sein. Gegen kurz vor 8Uhr war ich dann da (Ja, manchmal hat das Leben im Exil seine Vorteile, wenn das dies auch gleichzeitig bedeutet, dass das Spiel gegen Köln für mich schlicht unmöglich sein ist(Wenn ich jetzt nicht müde des Protestes wäre, würd ich noch was von wegen Scheiß Sport1 schreiben, aber nach Jahren hat man sich dran gewöhnt.. leider)), die Fahrt war etwas nervig, Weichenstörungen, viele Cops auf dem Weg zur Arbeit, ne Menge betrunkene Karnevalisten, aber ereignislos.

Ja, was soll mensch zu Heidelberg sagen? Wirklich sehr schön, ich hätte gern  ein Vielfaches der Zeit gehabt, um mir alles anzusehen, so reichte es nur für das Schloss und einige Kleinigkeiten. Das Schloss ist allerdings sehr empfehlenswert, wer von euch mal in der sein sollte, unbedingt ansehen!

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Darauf ging es dann mit dem Auto weiter nach Sandhausen. Eine Kleinstadt, nichts Besonderes, eben wie es sie Hundertfach im hiesigen Nationalstaat gibt.

Am Stadion angekommen, ging es nach einem Abstecher im Vereinsheim durch ein Waldstück zum Gästeblock. Die Busfahrer_innen berichteten, sie seien auf einem Acker angekommen. Schön, dass man in Sandhausen zumindest an die Hools gedacht hat. An potenziellen Gegnern hätte es aber gemangelt, Sandhausen kriegt ja notorisch nichts auf die Reihe. Dazu später mehr.

Einlasskontrolle war kein Problem, ging alles locker mit rein, die Stadionordnung sah ja einige Beschränkungen vor, linksradikales Propagandamaterial etc. Extremismustheorie, yeah!

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Das Stadion, ein um zusammengewürfelte Tribünen erweiterter Dorfplatz hatte schon seinen Charme, viele Stehplätze, sehr cool. Leider war der Gästeblock nicht sehr breit und bestand nur aus einigen wenigen Reihen, da gestaltete sich organisierter Support als sehr schwer bis komplett unmöglich.

Ja, zum Spiel.. ich fass mich kurz. Ich bin Leiden gewöhnt und nehme meiner Mannschaft auch eine deutlichere Niederlage nicht übel, aber da ging ja gar nichts! Kein Kampf, kein Einsatz, nichts! Wir stehen weiter hinter euch, aber es MUSS jetzt besser werden, wenn wir nicht in akute Abstiegsgefahr geraten wollen. Und in Anbetracht der finanziellen Lage möchte ich nicht unbedingt absteigen.

Auf der Tribüne links vom Gästeblock stand dann auch ein Haufen von 20-30 Leuten, die versuchten ihr Team zu supporten. Ich kann verstehen, wenn man in Sandhausen jetzt nicht das Fanpotenzial wie in Großstädten hat, aber die paar, das waren schon echt krass wenig. Auch die Umstehenden Konsumenten zogen selbst nach höherer Führung nicht mit, das kannst du wohl vergessen da.

Eine Abreise war auch nicht möglich, da man für die Gäste zunächst ganze zwei Busse stellen konnte, das ist etwas zu wenig. Also Fußmarsch quer durch ein Wohngebiet zum Bahnhof, wo dann natürlich auch alles hoffnungslos überfüllt war. Diese Abreisemängel haben mir dann noch einen verpassten Anschlusszug und damit einen 1,5h Nachtspaziergang durch Fulda eingebracht. Immer in Bewegung bleiben. Oder so. Wie sehen uns in zwei Wochen.

Rechte Hegemonie, Celle und die neue GG (FCSP – Cottbus 0:0)

Da das Spiel am Sonntag gegen Energie Cottbus das erste seit Bestehen des Blogs war, wird ich dafür auch ein paar Zeilen aufbringen, da Heimspiele in der Regel aber immer sehr identisch ablaufen, wird das sicher keine Regelmäßigkeit.

Also, was gibt’s zu berichten?

 

Entspannte Hinfahrt am Freitag: Rund 380 Minuten nach Hamburg, mit Zwischenstopp in Celle und Lüneburg. Provinz allez! Lüneburg toll wie immer, Celle kannst du dir schenken, trotz Schloss und Altstadt.

 

Erstes Spiel des Jahres: Naja, was willst du dazu sagen? Immerhin zu Null, wirklich überzeugt hat es mich nicht, war aber auch schon mal schlechter. Trotzdem, wenn du gegen Cottbus zu Hause die Punkte nicht holst, wo dann?

 

Support: Intro sehr gut! Süd geniale Choreo, tolles YNWA, viele Fahnen und Konfetti auf der Gegengrade. Großes Potenzial mit der neuen GG, da geht was. Und bitte hört doch auf mit den gegenseitigen Anfeindungen, das bringt doch nichts. Geht in Dialog oder kriegt den Arsch hoch, aber seid auf jeden Fall laut! Das macht das Millerntor aus und mit der neuen GG haben wir eine echte Chance verdammt laut zu werden. Nutzen wir sie!

 

Gegner: Cottbus, der Verein, der immer wieder durch seine rechte Hegemonie auffällt. Widerwärtig. Am Sonntag allerdings wenig von Nazis oder generell vom Support der Lausitzer mitbekommen. Ist auch besser so. Viel lieber waren mir dann schon die Flyer, die im Fanladen auslagen und auf folgende Veranstaltung hinwiesen:

 

Und sonst so?

Kostenlose Basch: Danke, USP! Guter Text, gutes Zeichen an die anderen Tribünen.

Business-Seats leer: Rückbau? Preissenkung? Frustriert jedenfalls so viele leere Plätze zu sehen.

Ganz viel Solidarität nach Aachen, Düsseldorf und die Squats in Griechenland!

 

Voran Sankt Pauli!